Rudelhaltung
Eigentlich ist der Ausdruck RUDELHALTUNG nicht ganz richtig. Ein Rudel sind untereinander verwandte Hunde. Das ist bei uns natürlich nicht der Fall. Daher reden wir im Folgenden von einer Hundegruppe.
Den Aufenthalt in Zwingern, Boxen und Hundezimmern, seien sie auch noch so schön eingerichtet, lehnen wir ab. „Einzelhaft“ über mehrere Stunden ist keine artgerechte Haltung. Auch die Unterbringung in Hundehäusern, wo die Hunde in kleinen Gruppen leben, ist nichts anderes, als sie wegzusperren. In allen Fällen fehlt die Bezugsperson Mensch. Der Hund ist ein Soziallebewesen und braucht neben ausreichend Auslauf und Freiheit auch viel menschliche Zuwendung. Für einen Hund, der auf seine Familie verzichten muss, ist menschliche Nähe genauso wichtig wie die Gesellschaft von Artgenossen. Die Hundegruppe bietet viel Abwechslung und ist somit eine schöne Ablenkung.
Die Hunde bewegen sich frei im Haus sowie im Außenbereich. Das erfordert ein hohes Maß an fachlicher Kompetenz und langjährige Erfahrung im Umgang mit großen Hundegruppen. Jeder Hund wird bei Anreise langsam, oft über mehrere Stunden, in die Hundegruppe eingeführt. Neuangereiste kommen in eine Hundegruppe, die sich schon mehr oder weniger lange kennt. Daher verhalten sich die Neuen dieser Gruppe gegenüber eher vorsichtig und untergeordnet. Durch viele Stammgäste, die den Tagesablauf schon im Schlaf beherrschen und dadurch ein sicheres und gelassenes Auftreten haben, fällt es den Neuen leicht, sich einzufügen. Sicher kommt es hin und wieder zu kleinen Rangeleien, jedoch sehr selten zu ernsteren Beißereien. Für Schäden, die sich bedingt durch die Gruppenhaltung die Hunde untereinander zufügen, übernehmen wir keine Haftung.
Es zeigt sich, dass durch diese Art der Gruppenhaltung, Verhaltensstörungen im Umgang mit Artgenossen stark positiv beeinflussbar sind. Sie wirkt aggressionshemmend, da die Hunde es über einen langen Zeitraum lernen, ihre Mimik und Gestik wieder intensiver für die soziale Kommunikation einzusetzen. Überaus wichtig sind dabei die immer gleichen Personen. Wir zeigen den Hunden, dass in dieser Gruppe keine Ränge ausgemacht werden. Die Hunde leben wesentlich friedlicher zusammen, wenn sie den ganzen Tag miteinander verbringen als manche glauben. Im Haus finden die Hunde immer ihren Lieblingsplatz. Manche krabbeln gerne in extra dafür vorgesehene Unterschlupfe, um Ruhe zu finden, andere liegen ausschließlich auf den Couchen und wieder andere sind immer in unserer Nähe. Auch der Außenbereich bietet genügend Rückzugsmöglichkeiten für die etwas zurückhaltenden Hunde.
In unseren Hundegruppen kommen Hunde verschiedenen Alters, Geschlechtes und Rasse zusammen. Auch kleine Hunde lassen sich problemlos in die Gruppe integrieren. Im Außenbereich wird jedoch ein besonderes Augenmerk auf die Hunde gelegt, die schon mal gerne die Kleinen jagen oder „mobben“.
Für jeden ersten Aufenthalt eines Hundes in unserer Gruppe ist die Trennung von der Bezugsperson zu berücksichtigen. Dem einen Hund fällt es leichter, er will schnell den Kontakt zu den anderen Hunden und spielt und tobt schon nach wenigen Minuten. Andere Hunde brauchen länger, um sich an die neuen Lebensgewohnheiten anzupassen. Da wiederum hilft die Hundegruppe und die Zeit, die wir den Hunden für die Eingewöhnung geben.
Das Leben in der Gruppe bringt immer wieder eine Auffrischung in das Sozialverhalten des Hundes und ist somit auch Teil der Therapie. Mit Hilfe dieser Art von Gruppenhaltung konnten wir viele aggressive Hunde resozialisieren. Aber ganz besonders bei ängstlichen Hunden sind wir damit sehr erfolgreich.


